Airbus-Führung zu Gast im Sozialwerk: 40 Jahre erfolgreicheZusammenarbeit

24.08.26

Seit rund 40 Jahren verbindet die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen des Sozialwerks eine enge und erfolgreiche Zusammenarbeit mit Airbus. Einen persönlichen Einblick in diese besondere Partnerschaft erhielten letzte Woche Frank Ludwig, CEO Airbus, und Gottfried Hornung, Standortleiter des Airbus-Werks Nordenham, bei ihrem Besuch vor Ort im Sozialwerk.


Gemeinsam mit Thomas Winsenborg (Sozialwerk-Vorstand), Klaus Nordhausen, Stefan Puhl (beide Teamleiter im Fachbereich Bildung & Arbeit) und Irina Wohlers (Teamleiterin Begleitender Dienst im Fachbereich Bildung & Arbeit) informierten sich die Airbus-Vertreter bei einem Rundgang und einer Präsentation über die verschiedenen Arbeitsbereiche, Produktionsabläufe und Qualitätsanforderungen in den Werkstätten des Sozialwerks.


Präzisionsarbeit für die Luftfahrt
Die Werkstätten im Sozialwerk fertigen heute eine Vielzahl von Produkten und Komponenten für Airbus. Rund 50 Beschäftigte mit Beeinträchtigungen arbeiten aktuell an Aufträgen des Flugzeugherstellers. Zum Leistungsspektrum gehören nicht fliegende Teile wie Warenträger, Coilkette, Drahtzuschnitte, Wickeldraht und Silikonstreifen. Darüber hinaus werden Schaber geschärft, Spritzrahmen und Dreiecksleisten angefertigt. Auch an fliegenden Bauteilen arbeiten die Beschäftigten. Dazu gehören beispielsweise das Bohren von Fußbodenplatten und die Bearbeitung ihres Innenlebens, Wabenzuschnitte, Stopfen und Füllstücke, Fairing Zuschnitte, Antirutschbeläge sowie das Befüllen von Collarschläuchen.

Für viele Beschäftigte ist diese Arbeit etwas ganz Besonderes. Sie sind zurecht sehr stolz darauf, mit ihrer Arbeit einen konkreten Beitrag zum Bau eines Flugzeugs zu leisten. Bei Werkstattführungen erklären sie deshalb gerne selbst, welche Arbeitsschritte sie an den jeweiligen Bauteilen durchführen.

Qualität auf höchstem Niveau
Die Zusammenarbeit mit Airbus stellt hohe Anforderungen an Qualität, Präzision und Dokumentation. Die Werkstätten werden regelmäßig von Airbus auditiert — in der Regel alle zwei Jahre. Ein wichtiger Meilenstein war das Jahr 2016: Damals wurden die Werkstätten erstmals im Bereich der „Spezial Prozesse‘‘, zu denen alle fliegenden Teile zählen, von Airbus auditiert. Für das Audit reisten die Auditoren eigens aus Toulouse in Frankreich an. Die Anforderungen des Audits führten unter anderem dazu, dass das Sozialwerk in einen Reinraum investierten. Damit konnten die erforderlichen Qualitätsstandards erfüllt und die Bearbeitung der entsprechenden Aufträge auch weiterhin sichergestellt werden. Das bislang letzte Audit fand im November 2025 statt. Zwischen den Werkstätten und den verantwortlichen Auditoren besteht dabei ein offener und konstruktiver Austausch. Die Ergebnisse werden in einem Auditbericht festgehalten und anschließend von den Werkstätten systematisch bearbeitet. Bei den meisten fliegenden Bauteilen wird zudem eine sogenannte Laufkarte geführt. Darin werden unter anderem Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Zeit und die einzelnen Arbeitsschritte dokumentiert. Auch die Lieferprozesse sind eng mit Airbus abgestimmt. Je nach Bauteil werden Liefertermine individuell mit dem Kunden vereinbart oder die Werkstätten liefern bestimmte Komponenten regelmäßig — teilweise täglich oder wöchentlich.


Vom Werkstattarbeitsplatz bis ins Flugzeug

Die Zusammenarbeit endet nicht an der Werkstatttür. Regelmäßig gibt es Besuche der Beschäftigten aus der Werkstatt im Airbus-Werk. Dabei können die Beschäftigten erleben, wo ihre Arbeit im weiteren Produktionsprozess eingesetzt wird. Auch für die Verantwortlichen der Werkstätten sind diese Einblicke wertvoll. „Ich durfte selbst schon einmal hinter die Kulissen schauen und sehen, wie unsere Bauteile bei Airbus weiterbearbeitet werden‘‘, berichtet Verena Fuest, Leiterin Qualitätsmanagement im Sozialwerk. Diese Verbindung zwischen Werkstatt und Flugzeugproduktion macht die Zusammenarbeit für viele Beteiligte besonders greifbar: Die Beschäftigten sehen, dass ihre Arbeit gebraucht wird und Bestandteil eines großen industriellen Produktionsprozesses ist.


Beeindruckt von Sorgfalt und Motivation
Beim Rundgang konnten sich Frank Ludwig und Gottfried Hornung unmittelbar von der sorgfältigen und präzisen Arbeitsweise überzeugen. Besonders deutlich wurde dies bei den Zuschnittarbeiten, bei denen mit dem Cuttermesser sehr genau gearbeitet werden muss. Die hohe Genauigkeit bei der Bearbeitung zeugen von der sorgfältigen Arbeitsweise der Beschäftigten. Auch die Motivation der Beschäftigten und ihre Identifikation mit den Produkten hinterließen einen bleibenden Eindruck.

Stefan Puhl, Teamleiter für industrielle Fertigung im Fachbereich Bildung & Arbeit: „Wir freuen uns sehr über den Besuch und das Interesse von Airbus. Die Zusammenarbeit besteht seit rund 40 Jahren und zeigt eindrucksvoll, dass Menschen mit Beeinträchtigungen anspruchsvolle und qualitätsrelevante Aufgaben in Produktionsprozessen übernehmen können. Dass unsere Beschäftigten ihre Arbeit mit großer Sorgfalt und Stolz ausführen, wurde bei diesem Besuch
unmittelbar sichtbar.‘‘


Netzwerk wird weiter ausgebaut
Der Besuch von Frank Ludwig und Gottfried Hornung war zugleich ein wichtiger Impuls für die weitere Zusammenarbeit. Die langjährige Partnerschaft zwischen Airbus und den Werkstätten zeigt, wie Teilhabe, berufliche Bildung und industrielle Produktion erfolgreich miteinander verbunden werden können — und dass inklusive Arbeitsplätze einen konkreten und qualitätsvollen Beitrag zu anspruchsvollen Produktionsprozessen leisten.