Schichtwechsel im Sozialwerk: Begegnungen auf Augenhöhe und neue Perspektiven

24.09.26

Einen Tag lang den gewohnten Arbeitsplatz verlassen, neue Arbeitswelten kennenlernen und miteinander ins Gespräch kommen: Beim bundesweiten Aktionstag „Schichtwechsel – Neue Perspektiven für mehr Teilhabe“ haben heute Klient*innen des Sozialwerks gemeinsam mit Mitarbeitenden regionaler Unternehmen neue Erfahrungen gesammelt.

Einen Tag lang den gewohnten Arbeitsplatz verlassen, neue Arbeitswelten kennenlernen und miteinander ins Gespräch kommen: Beim bundesweiten Aktionstag „Schichtwechsel – Neue Perspektiven für mehr Teilhabe“ haben heute Klient*innen des Sozialwerks gemeinsam mit Mitarbeitenden regionaler Unternehmen neue Erfahrungen gesammelt.

Unter der Schirmherrschaft des Landtagsabgeordneten Björn Thümler startete der Schichtwechsel am Morgen um 8.30 Uhr im Speisesaal des Hauptstandortes am Helgoländer Damm. Begrüßt wurden die Tauschpartner aus den beteiligten Unternehmen sowie die Klient*innen des Sozialwerks und alle Beteiligten von Thomas Winsenborg, Vorstand im Sozialwerk und Jan Geerts, Fachbereichsleiter im Fachbereich Bildung & Arbeit.

Arbeiten, wo sonst andere arbeiten

Der Aktionstag lief von 9 bis 14 Uhr. Insgesamt waren acht Klienten des Sozialwerks in drei externen Unternehmen im Einsatz. Neben Airbus Aerostructures und dem Center Parcs Park Nordseeküste beteiligt sich auch der Bürgermeister der Gemeinde Butjadingen am Schichtwechsel.

So tauschte beispielsweise Jarno Fruhner, Auszubildender im 2. Lehrjahr bei Airbus, seinen Arbeitsplatz bei Airbus und arbeitete in der Wäscherei des Sozialwerks mit den Klienten Dominik Czech und Daniel Stelling zusammen. In der Tischlerei arbeiteten Robert Hinkelmann von Airbus und Jörg Brunkhorst vom Center Parcs Park Nordseeküste in Tossens gemeinsam mit Klienten und der Gruppenfachkraft. Darüber hinaus beteiligten sich weitere Klient*innen des Sozialwerks sowie Mitarbeitende der beteiligten externen Unternehmen und Institutionen.

„Das ist das neue Normal“

Auch Schirmherr Björn Thümler besuchte die verschiedenen Tauschbereiche und kam mit den Beteiligten ins Gespräch. In seinen Worten zum Auftakt des Tages dankte er allen Beteiligten und betonte: „Das ist das neue Normal.“ Den Teilnehmer*innen wünschte er viel Freude bei den „vielen interessanten Einblicken“.

Betriebsintegrierte Arbeitsplätze als Brücke in die Arbeitswelt

Für Thomas Winsenborg weist der bundesweite Aktionstag zugleich in eine wichtige Richtung für die Zukunft. Menschen mit Behinderungen sollen noch stärker die Möglichkeit bekommen, außerhalb der Werkstatt in Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes tätig zu sein. Das Sozialwerk verfügt bereits über mehrere betriebsintegrierte Arbeitsplätze (BiAP), bei denen Klient*innen in externen Betrieben arbeiten. „Unser Ziel ist es, unseren Klient*innen noch viel mehr betriebsintegrierte Arbeitsplätze anbieten zu können“, sagt Thomas Winsenborg. „Daher ist es wichtig, mithilfe des Schichtwechsels Kontakte und Partnerschaften aufzubauen“.

Dabei geht der Austausch auch in die andere Richtung. Mit der neu gewonnen Kooperation der NKT GmbH & Co. KG besteht inzwischen eine neue Arbeitsgruppe, die eine Halle auf dem Gelände des Sozialwerks gemietet hat und dort eigene Arbeiten durchführt. Klienten des Sozialwerks können in diesen Arbeitsabläufen mitarbeiten und dadurch Erfahrungen in einem betrieblichen Arbeitsumfeld sammeln.

Inklusion braucht Zeit und Begegnung

Björn Thümler betonte, dass Werkstätten auch künftig erhalten bleiben müssten. Gleichzeitig brauche es Möglichkeiten, Menschen mit Behinderungen Schritt für Schritt und mit der notwendigen Geduld an den allgemeinen Arbeitsmarkt heranzuführen. Genau hier setze der Schichtwechsel an: Der Aktionstag ermögliche Begegnungen, die sonst möglicherweise nicht zustande kämen. Durch das gemeinsame Arbeiten entstehe ein unmittelbarer Einblick in die jeweiligen Arbeitswelten.

Jan Geerts, Fachbereichsleiter Bildung & Arbeit, hatte bereits im Vorfeld betont, dass der Schichtwechsel eine Gelegenheit sei, sich gegenseitig kennenzulernen, Vorurteile abzubauen und neue Wege zu entdecken. Für viele Klient*innen sei es eine besondere Chance, sich außerhalb ihrer gewohnten Umgebung auszuprobieren. Der bundesweite Aktionstag steht damit für das, was auch das Sozialwerk mit seinen betriebsintegrierten Arbeitsplätzen erreichen möchte: Teilhabe am Arbeitsleben durch konkrete Begegnungen und praktische Erfahrungen.

Und der Austausch geht weiter: Bereits am folgenden Tag steht ein weiterer Perspektivwechsel auf dem Programm – dann mit dem Bürgermeister der Gemeinde Butjadingen.

Der Schichtwechsel wurde 2017 in Berlin ins Leben gerufen und wird seit 2019 von der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) koordiniert. Ziel ist es, Werkstätten und Betriebe miteinander in Kontakt zu bringen und durch den Perspektivwechsel neue Begegnungen und Möglichkeiten der Teilhabe zu schaffen.